EYOF: Kim Ruoff und Emelie Petz in Györ

Vergangenen Sonntag wurde das European Youth Olympic Festival (EYOF) im ungarischen Györ eröffnet. Unter den 96 deutschen Athleten sind auch die 15-jährige Kim Ruoff vom TB Neckarhausen sowie die 14-jährige Emelie Petz von der TSG Backnang. Die Turnerinnen blicken ihrem ersten großen Wettkampf auf internationaler Bühne entgegen.

Zusammen mit ihrer Trainingskollegin Leonie Papke (TSV Jetzendorf) treten Kim und Emelie am Mittwoch im Teamwettbewerb in Ungarn an. Die drei Juniorinnen wollen im Team-Wettkampf alles geben und sich für Einzelfinals qualifizieren, die dann am Freitag, Samstag und Sonntag ausgetragen werden.
„Die Aufregung steigt von Tag zu Tag“, berichtet die 15-Jährige Kim während der Vorbereitung auf das Europäische Olympische Jugendfestival. Dennoch geht die Kohlbergerin ganz gelassen in den Wettkampf: „Ich will einfach einen guten Wettkampf turnen und Spaß haben. Was dann am Ende raus kommt, kommt eben raus.“ Im Teamwettbewerb am Mittwoch haben Kim und Emelie die Möglichkeit, sich für das Mehrkampffinale (Freitag) und die Gerätefinals (Samstag und Sonntag) zu qualifizieren. Ihre Trainerin Marie-Luise Probst-Hindermann sieht die Stärken der jungen Turnerinnen, bei Kim vor allem am Sprung und Boden: „An diesen beiden Geräten ist sie in Deutschland mit Abstand die Beste in ihrem Jahrgang.“ Das bestätigte Kim mit den Titeln bei der Deutschen Jugendmeisterschaften (DJM) Anfang Juni in Berlin an diesen Geräten. Aber auch im Mehrkampf und am Balken war sie nicht zu schlagen, deshalb war auch die Nominierung für die EYOFs reine Formsache.

Dass ihre Trainingskollegin Emelie in Györ beim Europäischen Olympischen Jugendfestival antritt, war auch spätestens nach den DJM in Berlin klar. Emelie gewann in der Altersklasse 14 mit über sechs Punkten Vorsprung den Mehrkampf und außerdem alle vier Einzelgerätefinals. „Sie ist national in ihrer Altersklasse ohne Konkurrenz“, sagt Trainerin Marie-Luise Probst-Hindermann über ihr Ausnahmetalent. In Ungarn zählt Emelie zu den jüngeren Turnerinnen, startberechtigt sind die Jahrgänge 2002 (Kim) und 2003 (Emelie und Leonie). „Das macht mir aber überhaupt nichts aus, darüber denke ich auch nicht wirklich nach“, erklärt die 14-jährige Emelie. Die Anspannung bei ihr ist kurz vor Beginn der EYOFs groß: „Das ist mein erster internationaler Wettkampf, ich bin gespannt, wie das alles wird.“

Kim hat sich erst in den vergangenen beiden Jahren in Deutschland einen Namen gemacht. „Wir werden von Kollegen oft gefragt, wo wir denn die Kim auf einmal herhaben“, erklärt Probst-Hindermann, „dabei ist sie schon seit 2008 bei uns und ein Kind des Kunst-Turn-Forums. Aber Kim ist eine typische Spätentwicklerin, sie ist die einzige aus dem Jahrgang 2002, die sich bei uns durchgesetzt hat.“ Ihr zweiter Trainer Robert Mai weiß genau, was er an seiner Turnerin hat: „Kim ist ein stilles Wasser, aber von der Grundart spritzig. Auf Kim kann man sich verlassen, wenn sie ihre Übung im Training abruft, schafft sie diese auch im Wettkampf.“

Auch Emelie trainiert im Kunst-Turn-Forum des Schwäbischen Turnerbunds. Seit 2008, mit damals fünf Jahren, war sie die Jüngste in der Gruppe. Zu ihrer aktuellen Trainingsgruppe gehören unter anderem auch die gestandenen Turnerinnen Kim Bui, Elisabeth Seitz und Tabea Alt. „Es ist ein cooles Gefühl, mit meinen früheren und auch noch aktuellen Vorbildern zusammen zu trainieren. Ich kann mir viele Sachen abschauen“, beschreibt die 14-Jährige. Im Training ist Emelie laut Probst-Hindermann „motiviert, zielstrebig, fleißig und eine schnelle Arbeiterin, die ihre Aufgaben schnell erledigen will.“ Robert Mai beschreibt ihre Eigenschaften wie folgt: „Emy ist eine sehr dynamische Turnerin, mit unglaublich viel Power. Sie ist physisch stark und deswegen sehr weit für ihr Alter.“

Beim Wettkampf am Mittwoch kommt aber eine ganz besondere Sache hinzu: zum ersten Mal werden Kim und Emelie auf einem Podium turnen. Bei großen internationalen Wettkämpfen stehen die Geräte nämlich auf einer ein Meter hohen Bühne. „Wir wissen nicht, wie die Juniorinnen reagieren, wenn sie zum ersten Mal diese fünf Stufen besteigen“, erklärt Probst-Hindermann, die in Ungarn mit dabei ist. Um Erfahrung auf internationalem Niveau zu sammeln, seien die EYOFs aber wie „ein Sechser im Lotto“. Diese Erfahrung können die Schülerinnen gut gebrauchen für einen ganz besonderen Wettkampf. Die Weltmeisterschaft 2019 findet in unmittelbarer Nähe zur Trainings-Halle der Mädchen statt, nämlich in der Stuttgarter Schleyer-Halle. „Eine Heim-WM ist etwas ganz Tolles, natürlich würde ich dort gerne turnen. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg, mal schauen, was bis dahin noch alles passiert“, gibt sich Kim zurückhaltend. Emelie zeigt sich begeistert: „Ich habe natürlich große Lust, bei der WM 2019 in Stuttgart für Deutschland zu starten.“ Es wäre Emelies erstes Jahr bei den Seniorinnen, aber das wäre für sie nichts Neues, die Jüngste im Team zu sein.
Ihre Konkurrentinnen bei den EYOFs kennen Kim und Emelie nicht wirklich, „nur die Turnerinnen aus der Schweiz von einem Länderkampf“, sagt Kim. Dafür kennt Claudia Schunk, Bundestrainerin der Juniorinnen, die Gegnerinnen: „Die Konkurrenz ist sehr stark, deshalb wird es schwer, mit dem Team eine Medaille zu gewinnen.“ Aber wer weiß, die Konkurrenz muss auch erstmal über die fünf Stufen auf das Podium. Patrick Nägele

Alle Infos rund um das EYOF gibt es hier.

Die Ergebnisse und einen Live-Ticker findest du hier.

 

 

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